Düngerpreise bleiben attraktiv

Ist es sinnvoll, jetzt den Düngerbedarf für die kommende Saison (Stand 17. August 2017) einzulagern? RWA-Düngemittelspezialist DI Andreas Hochgerner analysiert den Markt.

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Die Preise sprechen dafür, einen Düngervorrat anzulegen. © RWA
Die tiefsten Stickstoffpreise seit 6 Jahren bescherte uns das vorige Wirtschaftsjahr (2016). Niedrige Energiekosten (Erdgas), niedrige Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, hohe KAS-Lagerstände der Industrie zu Einlagerungsbeginn und vor allem niedrige Harnstoffpreise auf US-Dollar-Basis waren dafür verantwortlich.

Diese Bedingungen haben sich zu Einlagerungsbeginn im Juli 2017 nicht gravierend geändert. Nur die Energiekosten liegen deutlich über dem Vorjahres-Niveau. Da diese jedoch den bei weitem größten Anteil der Produktionskosten ausmachen, haben sie großen Einfluss auf die Preise.

Stickstoff: Kontinuierlicher Anstieg

Yara, der weltweit größte Nitratproduzent, hat Mitte Mai 2017 die Kalkammonsalpeter-Einlagerungspreise für Deutschland und die Benelux-Länder veröffentlicht. Der Startpreis für Juni lag 6 Euro über dem offiziellen Preis zu Einlagerungsbeginn des Vorjahres. Diese marginale Preissteigerung spiegelt die höheren Produktionskosten durch deutlich höhere Gaspreise nur zu einem Teil wider. Für Juli und August wurden die Preise bereits im Juni jeweils um 3 Euro erhöht. Dies ist ein deutliches Signal, dass die Industrie Industrie mit einem attraktiven Startpreis die Saison eröffnet hat und eine kontinuierliche Preisentwicklung anstrebt. Auch in Österreich waren die KAS-Preise zu Einlagerungsbeginn im Juli leicht über dem Vorjahresniveau, jedoch deutlich unter dem deutschen Preisniveau.

KAS: Österreich ist ein umkämpfter Markt

In Österreich waren die Preise für Kalkammonsalpeter (KAS) deutlich geringer als in Deutschland. Der Grund für diese Preisdifferenzierung zum 10 Mal größeren KAS-Markt Deutschland kann durch einen Angebotsüberhang in Österreich, Ungarn und der Slowakei (Produktion ca. 2,5 Mio. t; Verbrauch ca. 1 Mio. t) und die Attraktivität des österreichischen Marktes für den ungarischen und den slowakischen Produzenten begründet werden. Speziell der ungarische Stickstoffproduzent hat seine Kapazitätserweiterung abgeschlossen und will daher im frachtnahen Österreich seinen Marktanteil steigern.

N-Markt in Mitteleuropa rückläufig

Generell kann man in Mitteleuropa in den letzten Jahren einen rückläufigen Stickstoffmarkt beobachten. Da die Produktionskapazitäten jedoch im gleichen Zeitraum – leicht – erhöht wurden, sind wir aktuell mit Überkapazitäten bei Kalkammonsalpeter konfrontiert. In Deutschland wird darüber hinaus der Stickstoffeinsatz zurückgehen. Die Landwirtschaft wird bei beschränkten Einsatzmengen ihr Augenmerk auf Nährstoffeffizienz legen, was mehr für KAS und gegen Harnstoff sprechen würde.

Deutschland: Bald weniger N-Einsatz?

Die neue Düngerverordnung in Deutschland wird bei unserem Nachbarn zu einer deutlichen Reduktion des Stickstoffeinsatzes aus mineralischen Düngemitteln führen. Sie schreibt unter anderem Nährstoffbilanzen vor und beinhaltet ertragsabhängige standort- und kulturartenbezogene Obergrenzen für die Stickstoffdüngung.

Harnstoffpreise unter Druck

Wie stellt sich nun der Markt bei Harnstoff dar? Im August/September 2016 durchschritten die Preise auf US-Dollar-Basis einen historischen Tiefpunkt, zogen um den Jahreswechsel deutlich an und stehen seit dem Frühjahr dieses Jahres, mit kurzen Ausnahmen, wieder ziemlich unter Druck. Eine in den letzten Jahren kontinuierliche Steigerung der weltweiten Produktionskapazitäten kombiniert mit nur leicht wachsender Nachfrage spricht auch mittelfristig für ein eher schwaches Preisniveau. Entscheidend wird jedoch sein, ob es bei den Rahmenbedingungen für den größten Harnstoffproduzenten und -exporteur China (mehr als 40 % der weltweiten Produktionskapazitäten) Änderungen geben wird.

Viele chinesische Harnstoffanlagen beziehen die benötigte Energie aus Kohle anstatt von Erdgas. Da diese Produktion ineffizient ist, können diese Anlagen ab einem bestimmten Mindestpreis nicht mehr kostendeckend produzieren und werden zumindest vorübergehend abgestellt. Die immer strenger werdenden Umweltschutzauflagen stellen für die kohlebasierte Produktion eine weitere Hürde dar. Sollten diese Anlagen ganz aus der Produktion genommen werden, hätte das großen Einfluss auf das weltweite Harnstoffangebot und somit auf das Preisniveau.

Seitwärtsbewegung bei Phosphat

Die Phosphatpreise, vor allem DAP (Diammoniumphosphat), sind seit Ende der Frühjahrssaison in Seitwärtsbewegung. In den nächsten Wochen sind keine gravierenden Änderungen zu erwarten. Wenn in Zentral- und Osteuropa die Herbstsaison vorüber ist, könnten die Phosphatpreise leicht nach unten gehen. Da wir uns aktuell jedoch nur ca. 25 Dollar über dem günstigsten Preis der letzten Saison bewegen (tiefstes Niveau seit 2009), ist das Potenzial nach unten aber überschaubar.

Kali: Markt stabil

Kali ist traditionell der Nährstoff mit den geringsten Preisschwankungen. Die Industrie versucht, mit stabilen Preisen den Kunden Sicherheit zu geben. Dazu kommt noch, dass die Anzahl der Anbieter überschaubar ist, Energie nur einen geringen Teil der Produktionskosten ausmacht und die Schaffung neuer Produktionskapazitäten viele Jahre in Anspruch nimmt. Mit Beginn des neuen Düngerjahres wurden die Preise für Kaliumchlorid gegenüber dem Vorjahr geringfügig erhöht, die Preise für Kalisulfat etwas reduziert. Da sich die Preise aller Einzelnährstoffdünger im Juli über dem Preisniveau des letzten Jahres bewegten, lagen die Preise der Mehrnährstoffdünger zu Einlagerungsbeginn zwangsweise ebenfalls über dem Niveau des Vorjahres. Auch bei den NPK-Düngern hat die Industrie monatliche Preiserhöhungen am Markt angekündigt und im August auch bereits umgesetzt.

Kommentar

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DI Andreas Hochgerner, RWA, Leiter Abteilung Düngemittel © RWA
Die Preise fast aller Düngemittel liegen leicht über 2016/17. Da wir zu Einlagerungsbeginn im Vorjahr jedoch die tiefsten Preise der letzten 10 Jahre hatten, kann man heuer trotzdem von sehr attraktiven Preisen sprechen.

Wie im Artikel erwähnt, erhöht die Industrie bei KAS und NPK monatlich ihre Verkaufspreise. Bei Kalkammonsalpeter ist die zukünftige Preisentwicklung stark von den Harnstoffpreisen in den nächsten Wochen und Monaten abhängig, damit die Schere beim Reinnährstoffpreis nicht zu stark auseinandergeht. Bei den NPK-Komplexdüngern spielt zusätzlich die Preisentwicklung von DAP und Kali eine wichtige Rolle.

Bei Kali schauen die Preise aus aktueller Sicht relativ fest aus und es sind mittelfristig keine großen Ausschläge – weder nach oben noch nach unten – zu erwarten. Bei Phosphat ist die Prognose viel schwieriger, da sich zusätzlich zum Produktpreis in US-Dollar jede Wechselkursschwankung von Euro zu Dollar unmittelbar auf den Preis niederschlägt. Und US-Präsident Donald Trump ist jederzeit für Überraschungen gut, auf die die Börsen sehr sensibel reagieren.

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Autor:
DI Andreas Hochgerner, RWA